Weiterbildungen

Weiterbildung „Traumapädagogik/Traumazentrierte Fachberatung“

Zertifiziert durch die Deutschsprachige Gesellschaft der Psychotraumatologie (DeGPT)
und den Fachverband Traumapädagogik (FVTP, früher BAG Traumapädagogik)

In der sozialen Arbeit werden Kinder, Jugendliche und Erwachsene betreut und beraten, deren Lebenswege durch traumatische Begebenheiten und Erlebnisse geprägt sind. Um mit dieser (neuen) Herausforderung umzugehen, braucht es fachliche Grundlagen zur Traumazentrierten Fachberatung und Traumapädagogik.

Die Weiterbildung vermittelt grundlegende Kenntnisse aus der Psychotraumatologie, der Neurobiologie, der Bindungs- und Traumaforschung sowie der Traumapädagogik. Sie ist systemisch orientiert und beschäftigt sich mit professionellen Handlungsoptionen sowie pädagogischen Prozessen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen und deren Lebensbezügen. Die Weiterbildung ist praxisorientiert und richtet den Fokus auf die konkreten Arbeitsfelder der TeilnehmerInnen. Sie vermittelt Wissen sowie Methoden und erweitert die Reflexionsfähigkeit für den Umgang mit komplexen Situationen im beruflichen Alltag. Sie bezieht die Wirkung der Sekundären Traumatisierung und der Mitgefühlserschöpfung mit ein und übt das ABC der Selbstfürsorge.

Besonderer Wert wird auf die Verbindungen und Wechselwirkungen der Themen, Traumaprozesse und Traumadynamiken gelegt. Dennoch: Im Fokus steht der Mensch – mit dem wir arbeiten – und wir selbst als Teil des Prozesses. Lernen geht auf diese Weise weit über ein kognitives Verstehen hinaus, die Arbeit am Selbstkonzept ist somit wesentlicher Baustein der Weiterbildung. Wir gehen davon aus, dass alles, was wir selbst gefühlt und auf uns übertragen haben eine optimale Grundlage bildet, um es mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Systemen zu praktizieren. Das Institut und alle Mitarbeiterinnen praktizieren (Selbst-) Verstehen ganzheitlich und auf allen Ebenen.

Die Weiterbildungsreihe findet in einer annehmenden und angenehmen Atmosphäre statt, Humor und Wertschätzung unterstützen bei der Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist auf 14 – 16 begrenzt. Damit wird eine hohe Übertragbarkeit in das eigene Arbeitsumfeld und intensives Lernen über und mit Hilfe der Gruppe ermöglicht.

> hier anmelden für Kurs 32 mit neun Modulen
> hier alle Termine der laufenden Weiterbildungen ansehen

Bitte eine Mail an assistenz@institut-tp.de senden, falls Probleme auftauchen.

Zielgruppe

Fachkräfte in pädagogischen, psychosozialen, medizinischen, pflegerischen, geburtshelfenden, seelsorgerischen und anderen helfenden Berufen mit Berufserfahrung und ausreichender psychischer Stabilität.

Umfang der Weiterbildung

Die Weiterbildung setzt sich bis Kurs 29 aus 8 Modulen und ab Kurs 30 aus 9 Modulen zusammen, deren Inhalte sich an die Richtlinien der DeGPT und des Fachverbandes Traumapädagogik halten. Die Module bauen aufeinander auf und greifen ineinander. Ergänzend zu den Modulen treffen sich die TeilnehmerInnen in festen Peergruppen. Für einen qualifizierten Abschluss ist die Teilnahme an allen Modulen, den Peergruppentreffen und Supervisionen erforderlich.

Während der circa zweijährigen Weiterbildung treffen sich die TeilnehmerInnen auch ausserhalb der Module in ihren beruflichen Bezügen um sich die traumapädagogische Haltung zu Eigen machen und die Inhalte der Module aktiv trainieren. Die vermittelten theoretischen Grundlagen der Module sind eigenständig über das Studium von Fachliteratur zu vertiefen.

Der Stundenumfang bis Kurs 29 beträgt 186 UE plus 28 Peergruppenstunden = insgesamt 214 UE
Ab Kurs 30 beträgt der Stundenumfang 200 UE plus 32 Peergruppenstunden = ingesamt 232 UE
(ab Kurs 30 erweitern wir um 1,5 Tage)

Team

Die Kurse werden von der Institutsleitung durchgeführt, themenbezogen werden Co- und Fachreferent*innen in die Weiterbildungen eingeladen. Wir achten auf gute Übergänge und Begleitung der Fachreferentinnen und Teilnehmenden.

Voraussetzungen für die Zertifizierung nach den Richtlinien der DeGPT 
und des Fachverbandes Traumapädagogik

Teilnehmende, die einen zertifizierten Abschluss erreichen möchten, benötigen die Zulassungsvoraussetzungen zum zertifizierten Abschluss dieser Fachverbände.
Institutsinterne Voraussetzung für die Teilnahme an der Weiterbildung ist eine offizielle Anmeldung über das Anmeldesystem und die Teilnahme an einem Infogespräch im Institut. Zu den Infogesprächen laden wir in kleinen Gruppen ein. Für einen Abschluss ohne Zertifizierung der Fachverbände sprechen Sie uns bitte an.

Ort der Veranstaltung

Institut Trauma und Pädagogik, An der Zikkurat 4, Mechernich-Firmenich
Ein Modul wird mit Übernachtungen im Haus Königssee in Oberdürenbach durchgeführt.

Kosten und Zahlungsmodalitäten

3.700 Euro bis Kurs 29 (8 Module). Ab Kurs 30 (9 Module) werden 3950 Euro in Rechnung gestellt. Die Weiterbildung ist aufgrund von § 4 No 21a Umsatzsteuergesetz umsatzsteuerbefreit. Nach Anmeldung erhalten Sie eine Mappe mit Vertrag, Terminen zum verbindlichen Informationsgespräch, AGBs und DSGVO und eine Anzahlungsrechnung über 300 Euro (350 € ab Kurs 30).
Bezahlung: Anzahlung von 300 € (350 € ab Kurs 30) nach Anmeldung und Erhalt der Mappe, später zwei Raten (die erste 6 Wochen vor Beginn der Weiterbildung, die zweite zur Hälfte der Weiterbildung). Für individuelle Lösungen sprechen Sie uns bitte an.

Ausbildungscurriculum

Das bisherige Curriculum wurde durch die beiden Fachverbände überarbeitet und ist seit dem 01.01.2018 in Kraft. Das neue Curriculum umfasst zwei, getrennt voneinander oder nacheinander zu erwerbende Abschlüsse in Traumapädagogik und Traumazentrierte Fachberatung. Für beide Abschlüsse insgesamt ist eine Mindeststundenzahl von 180 UE festgelegt.

Das Institut Trauma und Pädagogik in der Eifel bietet für Einzelne nur den Erwerb beider Qualifikationen zusammen/nacheinander in einem Weiterbildungsgang an.
Die Gesamtstundenzahl betragen 214 UE bis Kurs 29 und 232 UE ab Kurs 30. Das Curriculum umfasst 8 Module in 24 Tagen, bzw. 9 Module in 26 Tagen zzgl. der Peergruppenzeiten (mindestens 28/32 UE) zwischen den Modulen. Die Supervisionen finden in der Regel während der jeweiligen Module statt. Die Peergruppen treffen sich zu festgelegten Zeiten zwischen den Modulen.

INHALTE DER WEITERBILDUNG

Einführung in die Psychotraumatologie (22 UE) | Modul 1

Beschäftigung mit den unterschiedlichen Definitionen von Trauma
Grundverständnis zum Thema „Trauma“
Auswirkungen von Traumatisierungen auf Psyche und Körper
Überblick zu Traumazentrierten Arbeitsfeldern
Zentrale Konzepte psychischer Traumatisierung
Spektrum der Traumafolgen, akute und chronische Folgen
Physiologie psychischer Traumatisierung (Neurobiologie, Neurophysiologie, zentrales Nervensystem, 
Traumagedächtnis, körperliche Auswirkungen)
(frühe) Kindheitstraumata und deren Folgen
Geschichte der Psychotraumatologie
Phasenmodelle traumazentrierter Interventionen
Akute Traumatisierung und Akutversorgung
Kennen lernen der TeilnehmerInnen, Gruppenfindung
Praktische Übersetzung der Inhalte durch Arbeitsgruppen und Methoden

Traumapädagogik (22 UE) | Modul 2

Einführung in die Grundlagen der Traumapädagogik
Geschichte der Traumapädagogik
Verschiedene Ansätze der Traumapädagogik
Traumapädagogische Basisstrategien
Traumapädagogik in unterschiedlichen Handlungsfeldern

Vermittlung einer traumapädagogischen Grundhaltung (in allen Modulen)
Die Standards der Traumapädagogik als Eckpfeiler

Grundlagen traumazentrierter Pädagogik, Beratung und Therapie
Traumasensibler Aufbau der Zusammenarbeit
Die Pädagogik des Sicheren Ortes
Arbeiten mit Freude und Humor im traumasensiblen Kontext
Grundkenntinisse zu Dissoziation
Arbeit am Selbstkonzept
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle und Supervision

Ebenen der Stabilisierung (22 UE) | Modul 3

Individuelle und milieuspezifische Stabilisierung
Selbstwahrnehmung und Selbstkontrolle
Körperliche Stabilisierung – Traumafolgen auf der körperlichen Ebene
Traumaspezifische Krisenintervention dissoziativer Zustände
Soziale Stabilisierung
Psychische Stabilisierung und Affektregulation
Imaginativ-hypnotherapeutische Techniken wie Arbeit mit dem inneren Kind
Distanzierungs- und Kontrolltechniken
Selbstberuhigungs- und Selbsttröstungstechniken
Techniken aus der Dialektisch-behavioralen Therapie
Interaktionelle Elemente der Stabilisierung
Reorientierung und Dissoziationsstopp
Pharmakologische Therapie, EMDR und die Rolle von Bindung
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle

Beziehung und Bindung, bindungsorientierte Haltung (22 UE) | Modul 4

Bindungstheoretische Modelle und die Rolle von sicherer Bindung
Beziehungs- und Bindungsorientierte Pädagogik, Beratung und Begleitung
Beziehungsorientierte Grundhaltung
Beziehungsgestaltung in traumazentrierten Arbeitsbereichen
Bindungsfallen und Bindungsverstickungen
Gruppenbindungsstile
Erwachsenenbindungsstile
Spiegelungsphänomene, Übertragung und Gegenreaktion, Traumadynamiken
Sozialarbeiterische und pädagogische Interventionsstrategien
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle und Supervision

Selbstfürsorge und MitarbeiterInnenfürsorge (33 UE) | in Modul 5, 6, 7 oder 8

Reflexion der eigenen beruflichen Rolle in Bezug auf Biografie und Gegenwart
Rolle und Methoden der Biografiearbeit
Achtsame Beziehungsgestaltung in traumazentrierten Arbeitsfeldern
Belastungsanalysen und Strategien zur Entlastung
Grundlagen Sekundärer Traumatisierung, Burnout, Resilienz und Salutogenese
Paradigmenwechsel in der beruflichen Rolle – das ABC der Selbstfürsorge
Selbstfürsorge und Selbstmitgefühl als Grundlage für Traumaarbeit und zur Verhinderung von Traumadynamiken
Verstehen und Erkennen eigener sekundärer Traumareaktionen und Entwicklung eines selbstfürsorglichen Umgangs mit sich
Selbsterfahrung
Transgenerationale Weitergabe
Epigenetik
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle und Supervision

Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen (22 UE) | Modul 5,6, oder 7

Psychosoziale Diagnostik und Traumapädagogisch diagnostisches Verstehen
Methoden als Hilfsmittel zum Traumapädagogischen Verstehen
Fallanalysen und Psychosoziale Diagnoseprozesse
Umgang mit Triggern und Flashbacks, Methoden des „Enttriggerns“
Umgang mit Traumaverarbeitungsprozessen in verschiedenen traumazentrierten Handlungsfeldern hier die Übertragung auf die Handlungsfelder der Teilnehmenden
Umgang mit Täterkontakten, Beschäftigung mit Täterstrategien
Traumasensible Kooperation mit Bezugspersonen
Juristische Bestimmungen, Kinderschutz und Opferschutz
Umgang mit und Schutz vor Gewalt
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle und Supervision

Schwerpunkt Traumazentrierte Fachberatung (22 UE) | Modul 7

Grundlagen wie Begriffsklärung, allgemeine Beratungsansätze/-theorien: Orientierung der Beratungs­planung und des Beratungsprozesses an Personen und Settingsvariablen
Hierzu wird – je nach Berufsfeldern der TeilnehmerInnen – eine Auswahl aus folgenden Themen getroffen: 
Gender, Strukturelle Gewalt, Alter, Kognitives Funktionsniveau, kultureller Hintergrund / Ein-/Mehrpersonen-­Settings, Organisationen / Auftragsklärung / Art und Dauer des Settings
Einüben traumasensibler Beratungsgespräche
Kennen lernen und üben von traumasensibler Beratung im Team

Möglichkeiten und Grenzen traumazentrierter Beratung in speziellen Settings und Situationen wie z.B. Prävention, Krisenintervention/Suizidberatung, Telefonberatung und Online/Chatberatung, Beratung im Zwangskontext oder ohne Eigenmotivation, Traumaberatung ohne Beratungsstelle, zeitlich stark befristete Beratungssettings, KlientInnen im Ausnahmezustand

Traumaspezifische und traumainformierte Beratung mit verschiedenen Zielgruppen, orientiert an den Arbeitsfeldern der Teilnehmenden. Hierbei werden mindestens drei der folgenden Zielgruppen berücksichtigt: Telefonseelsorge, Sorgentelefon, Psychische Erste Hilfe (PEH), Berufs- und Karriereberatung, Arbeitslosenberatung, SchuldnerInnenberatung, Erziehungs- und Familienberatung, Paarberatung, Trennungs- und Scheidungsberatung, Beratung für Opfer sexueller und/oder ritueller Gewalt, Beratung alter Menschen, Sucht- und Drogenberatung, Sozialberatung, Beratung von Menschen mit Behinderung und im Kontext von Behindertenhilfe, Sozialpsychiatrische Beratung, Migrations(sozial)beratung, Beratung im Kontext Flucht, Schwangerschaftskonfliktberatung, Geburts- und Schwangerschaftsberatung, Trauerberatung, Beratung von Hochrisikopopulationen und -organisationen (wie Verkehrsbetriebe, Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienste, Bundeswehr), Beratung im Kontext von Einrichtungen der Selbst- und Opferhilfe, Beratung im Kontext von Einrichtungen der sozialen Kontrolle (wie z.B. Jugendämter, Familiengerichte), Beratung im Kontext ambulanter, teilstationärer und stationärer Einrichtungen der Jugendhilfe, Beratung im Kontext Schule und schulische Beratungsdienste
Trauma, Flucht und Diversität
Reflexion der eigenen beruflichen Rolle

Bis Kurs 29 werden die Inhalte von Modul 8 verkürzt in den anderen Modulen aufgegriffen.

Traumafachberatung II und Übungseinheiten (17 UE) | Modul 8

Prozessplanung und Netzwerkorientierung
Sozialarbeiterische und pädagogische Interventionsstrategien
Verknüpfung zu pädagogischen/sozialpädagogischen Ansätzen wie heilpädagogischer, systemischer, milieutherapeutischer, emanzipatorischer Ansatz)
Forschung über Wirkkraft
Spektrum der Traumafolgen (Vertiefung)
Überblick traumaspezifischer Behandlungsverfahren (wird von Peergruppen ausgearbeitet und in
Modul 6,7 oder 8 vorgestellt
Arbeit mit den inneren Anteilen (Egostates)
Strukturelle Voraussetzungen der Selbstfürsorge
Achtsame Einrichtungskultur – Low-Stress-Organisationen
Institutionelle Bedingungen traumaspezifischer Arbeit
Indikationen zur Weiterverweisung in die Traumapsychotherapie 
oder andere Settings oder Therapieformen
Integration und Neuorientierung
Üben von Methoden

Präsentationen und Abschluss der Weiterbildung (18 UE) | Modul 9

Präsentationen der Projektarbeiten in der Gruppe
Traumasensible Gestaltung des Endes der Beratungsbeziehung
Abschied und Trauma als Teil der Traumaverarbeitung
(traumasensible) Abschiedsgestaltung des Weiterbildungskurses
Zertifikatsvergabe, Abschluss der Weiterbildung

In allen Modulen:
Entwicklung einer traumapädagogischen Grundhaltung
Die Rolle von Beziehung im traumasensiblen Kontext
Vertiefung der traumapädagogischen Standards
Üben und Erweitern der Selbstreflexionsprozesse, das Arbeiten am Selbstkonzept

> Hier können Sie die Rahmenbedingungen für die zertifizierte Weiterbildung als PDF herunterladen.
> Hier können Sie die AGBs für Weiterbildungen im Institut als PDF herunterladen.
 

> hier anmelden für Kurs 32 mit neun Modulen
> hier alle Termine der laufenden Weiterbildungen ansehen

Bitte eine Mail an assistenz@institut-tp.de senden, falls Probleme auftauchen.

Stand: Dezember 2021